Polizisten begegnen dem ziemlich besten Schurken…

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Vom FBI und dem Bayerischen LKA gejagt, gelang ihm jahrelang die Flucht. Am 05.11.2016 stellte sich Josef Müller, "der ziemlich beste Schurke" freiwillig bei einer CPV-Veranstaltung in Stuttgart. Viel hatte sich in den zurückliegenden Jahren in seinem Leben ereignet, davon berichtete er den anwesenden Polizeibediensteten und ihren Angehörigen im Rahmen eines "Vormittag der Begegnung".

An Dramatik ist Müllers Lebensweg kaum zu überbieten. Beschaulich wächst er in Fürstenfeldbruck als Sohn eines Kriminalkommissars auf. Bescheidenheit, Sparsamkeit und Fleiß zählen zu den wichtigsten Werten in seiner Familie. Kurz vor seinem 18. Geburtstag verunglückt er bei einem Autounfall. Seitdem sitzt er im Rollstuhl.

“Die größte Behinderung der Menschen ist im Kopf. Ich habe immer nur an das gedacht, was ich noch konnte - und nicht umgekehrt”, betonte er. Daraus wurde für ihn eine große Karriere als Steuerberater mit viel Erfolg in der Finanzbranche. Dieser Weg führt ihn 1990 zu einem Geschäft mit einem US-Amerikaner namens "Bruce", für den er 40 Millionen Dollar in Europa anlegt.

Durch den fallenden Dollarkurs verliert er das gesamte Vermögen, und sein Mandant stellt sich als einer der zehn meistgesuchten Männer des FBI heraus, der sein Geld mit Drogen und Waffenhandel verdient. Trotz seiner Verluste schafft Müller es nicht, seinen luxuriösen Lebenswandel aufzugeben. Immer wieder leiht er sich Geld von Mandanten, besitzt zeitweise zehn Autos. Silvester Stallone ("Rambo") ist im Jahr 2000 sein Trauzeuge, er wird sogar zum Tee von der Queen eingeladen.

"Gier frisst Hirn" betitelt er seine damalige Lebenseinstellung und auch die der Gesellschaft, in der er sich seinerzeit bewegte. Im Spätsommer 2004 ist es soweit: Nach hochriskanten Geschäften in München hat er wieder sein eigenes Geld und auch 20 Millionen Euro seiner Mandanten verloren. Er wird verklagt, taucht aber in Miami (USA) unter und wird nun vom FBI und dem bayrischen LKA gesucht.

2005 kehrt er nach Wien zurück um mit seiner Frau Geburtstag zu feiern. Dabei wird er verhaftet. In der Gefängnisbibliothek stößt er auf die Bibel. Er begreift, dass Jesus Christus auch "verpfuschte" Leben erneuern kann. Bewusst gibt er sein Leben in Gottes Hand und bekennt seine Verfehlungen. Er beginnt im Knast Theologie zu studieren und verändert sein Leben. Heute sagt er: “Ich habe alle Gebote mit Füßen getreten.” Innere Zufriedenheit und die Verbindung zu Gott seien nun sein wahrer Reichtum.

Mit seinem Vortrag begeisterte Müller seine Zuhörer und erntete großen Applaus. Als besonderes Dankeschön erhielt Josef Müller vom Organisator der Veranstaltung, Manuel August, seine Polizeimütze, die von den Anwesenden unterschreiben worden war.

Müller verließ mit seinem PKW nach der Veranstaltung gerade Stuttgart, als er von einem Motorradpolizisten unvermittelt angehalten wurde. Trotz intensivem Nachdenkens fielen ihm keine Straftaten und Ordnungswidrigkeiten ein. “Sie sind Josef Müller. Zu ihrem Vortrag wollte ich heute Morgen kommen. Aber ein kurzfristiger Einsatz hat es leider verhindert. Ich wünsche Ihnen alles Gute und eine bewahrte Weiterfahrt.”

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