Keine Endstation Knast!

Er war sehr gut besucht, der Impulsabend am 14.11.2016 im Ökumenischen Zentrum HafenCity. Das Hamburger Abendblatt hatte auf die Veranstaltung hingewiesen und immerhin gab es ja einen Mörder zu sehen. Doch es waren dessen Worte, es war die Geschichte Torsten Hartungs, die die Gäste von Beginn an fesselte.

Dramatischer kann man sich eine Kindheit kaum vorstellen. Von der Mutter für alles Elend der Familie verantwortlich gemacht, vom Vater wegen Nichtigkeiten fast zu Tode geprügelt, in der Schule gehänselt – wer mochte es ihm verdenken, dass er sich irgendwann dazu entschloss, ab sofort nicht mehr Opfer zu sein, und selbst zum Schläger wurde.

Gebannt hörten die Besucher Torsten Hartung zu
Gebannt hörten die Besucher Torsten Hartung zu
Bischöfin Fehrs bereicherte den Abend
Bischöfin Fehrs bereicherte den Abend

Und als er nach dem Vorbild von Goethes Faust für den kriminellen Erfolg dem Teufel seine Seele verkauft hatte, begann der schnelle Aufstieg zum Kopf einer internationalen Autoschieber-Bande, der sogar vor einem Mord nicht zurückschreckte. Nur einmal spielte Gott in seinen Gedanken eine Rolle: Im Urlaub auf Mallorca besuchte Hartung ein Kloster, in dem viele Menschen kleine Zettel mit Wünschen abgelegt hatten. Er schrieb, dass er sich ein glückliches Leben wünsche, und legte seinen Zettel dazu. Kurz danach stürzte er beim Paragliding aus großer Höhe ab und überlebte wie durch ein Wunder nahezu unverletzt. Während er diese Ereignisse in seinem kriminellen Treiben schnell wieder vergaß, blieben sie jedoch bei Gott unvergessen.

Hartung wurde dann doch irgendwann festgenommen.

Nach fast 5 Jahren Einzelhaft, in der er sich so sehr nach einem Gegenüber sehnte, schüttete er Gott sein Herz aus. Er erzählte von seiner schweren Kindheit und von all dem, das er anderen angetan hatte. Sein ganzer Lebensfilm zog an ihm vorüber. Nie war er einem bösartigeren Menschen begegnet als sich selbst. Und dann traf ihn die Antwort Gottes ins Mark: „Ich weiß!“. Gottes Stimme war für ihn akustisch wahrnehmbar, aber zutiefst liebevoll. Gott sagte ihm, dass er seine Vergangenheit und seine Gegenwart kenne und mit ihm noch etwas vorhabe.

Der Knast wurde für Torsten Hartung nicht zur Endstation. Er führte ihn vielmehr in die offenen Arme Gottes. Eine tiefe Freude erfüllte ihn so sehr, dass andere Gefangene ihn für verrückt hielten.

Landesgruppenleiter Torsten Bödeker, Referent Torsten Hartung, Vorsitzender Holger Clas
Landesgruppenleiter Torsten Bödeker, Referent Torsten Hartung, Vorsitzender Holger Clas

Unter Anspielung auf den eigentlichen Wortsinn beschreibt er sich heute selbst als „von Gott verrückt“. Fortan nutze er die Haft, um die Bibel zu studieren und christliche Literatur zu lesen. Zur Umkehr gehörte für ihn auch, den Mord, den man ihm nie nachweisen konnte, zu gestehen und auch dafür die Strafe auf sich zu nehmen. Nach 20 Jahren Haft ist Torsten Hartung heute wieder ein freier Mann, der jungen Straftätern hilft, die Fehler zu vermeiden, die er selbst einmal begangen hat.

Bischöfin Kirstin Fehrs
Bischöfin Kirstin Fehrs

Der Impulsabend machte in beeindruckender Weise deutlich, dass unser Gott sich wirklich aufmacht und verlorene Menschen sucht. Diesem Gott gilt alle Ehre und Anbetung. Kirstin Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der ev.-luth. Nordkirche, erinnerte uns dann auch noch musikalisch an die Verheißung Jesu, immer bei uns zu sein (Mt. 28,20), und stellte uns unter Gottes Segen. Wunderbar.

Torsten Bödeker, Landesgruppe Hamburg

Ein gut besuchter Abend Ein gut besuchter Abend

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