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08. Juli 2017

Hamburg

Gespräche und Gebete mit Polizisten "bis tief in die Nacht"

Polizisten bei Krawall in Hamburg Viele Beamte seien erschrocken über den Hass und die Gewalt gegen die Polizei. Foto: picture-alliance/NurPhoto

Hamburg (idea) – Mitglieder der Christlichen Polizeivereinigung (CPV) stehen ihren Kollegen beim Einsatz auf dem G20-Gipfel in Hamburg seelsorgerlich zur Seite. Das Treffen am 7. und 8. Juli ist überschattet von massiver Gewalt durch Linksradikale. Mehr als 200 Polizisten wurden bisher verletzt. “Das Bedürfnis nach Gesprächen bei den eingesetzten Kollegen ist sehr groß”, sagte der Vorsitzende der CPV, Kriminalhauptkommissar Holger Clas (Hamburg), am 8. Juli gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Viele Beamte seien erschrocken über den Hass und die Gewalt gegen die Polizei. Manche CPV-Mitglieder seien sogar aus dem Süden Deutschlands nach Hamburg gereist, um ihre Kollegen seelsorgerlich zu unterstützen. Man habe in der größten Verpflegungsstation "bis tief in die Nacht" Gespräche geführt und auf Wunsch auch mit den Kollegen gebetet. Dabei arbeite die CPV mit Polizeiseelsorgern zusammen. “Unser Angebot wurde gut angenommen”, so Clas. Nach seinen Worten zufolge ist die Belastung der Polizisten enorm groß. Manche hätten nach einem ganztägigen Einsatz nur 45 Minuten schlafen können, bevor sie wieder ausgerückt seien.

Viel Frust: “Wir dürfen auslöffeln, was uns die Politik eingebrockt hat”

In den Gesprächen hätten Kollegen auch einfach nur ihren Frost loswerden wollen. Viele sähen es sehr kritisch, dass der G20-Gipfel in Hamburg veranstaltet werde. Verbreitet sei die Meinung: “Wir dürfen auslöffeln, was uns die Politik eingebrockt hat.” Laut Clas hat die Gewalt Linksradikaler auf dem G20-Gipfel ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Die Militanten, die zum Teil auch aus dem Ausland angereist seien, hätten die Gefährdung von Menschenleben „bewusst in Kauf genommen“. Die Polizei sei selbst mit massiven Einsatzkräften an ihre Grenzen gestoßen. 20.000 Polizisten hätten nicht ausgereicht, um die Sicherheit angesichts der eskalierenden Gewalt zu gewährleisten. Erstmals habe ein Sondereinsatzkommando eingesetzt werden müssen, um Bereitschaftspolizei zu schützen. Clas: “Die Politik muss sich Gedanken machen, wie sie der Polizei mehr Möglichkeiten gibt, geltendes Recht durchzusetzen.” Er kritisierte ferner Medienberichte, in denen die Polizei als Aggressor dargestellt worden sei: “Hier werden Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt.” Die CPV hat Verbindungen zu rund 4.100 Polizisten. Ein Freundeskreis umfasst gut 1.500 Personen aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Kultur.

Württemberg: Synodale verurteilen Ausschreitungen

Die Ausschreitungen beim G20-Gipfel waren am 8. Juli in Reutlingen auch Thema in der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Mehrere Kirchenparlamentarier verurteilten in einer Aktuellen Stunde die Gewaltausbrüche. So sagte die Agraringenieurin Andrea Bleher (Untermünkheim bei Schwäbisch Hall) vom theologisch konservativen Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“, dass ihr die Übergriffe der Linksradikalen große Sorge bereiteten. Es müsse möglich sein, Diskussionen über andere Ansichten ohne Gewalt zu führen.

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