Ein Impulsabend, der ans Eingemachte ging

Thea Rettner

Thea Rettner, die Mutter einer jungen Polizistin, berichtete am 20.03.2019 im Rahmen eines Impulsabends bei 3. Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg, wie sie und die Familie den Tod ihrer Tochter bewältigten konnten. Der Abend wurde gemeinsam von der Bayerischen Polizeiseelsorge und der CPV organisiert.

Alles erschien gut an jenem 24.07.2017, als Thea Rettner in einer Boutique auf das Eintreffen ihrer Tochter Jenny wartete. Gemeinsam wollten sie das Kleid für die Abschlussfeier der Polizeiausbildung aussuchen. Jenny wollte zuvor noch kurz zu ihrer neuen Dienstelle fahren. Doch sie kam nicht an, dafür erreichte sie ein Anruf ihrer Freundin: „Thea, komm sofort heim!” Vom Notfallseelsorger und zwei Polizeibeamten erfuhr sie, dass ihre 21-jährige Jenny bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt war. Eine Welt brach zusammen.

Offen schilderte Thea Rettner die Phasen, die sie, ihr Ehemann und ihr Sohn (ebenfalls Polizeibeamter) durch den Verlust von Jenny durchleben mussten: Wut, Auflehnung, tiefe emotionale Abgründe, Anklage gegen Gott.

Doch dann berichtete sie auch davon, wie in all dem Schmerz der Trost Gottes in ihr Leben kam. Wie in den ganzen Leidbewältigungsprozessen die Überzeugung gewachsen ist, dass es Jenny jetzt gut geht. Jenny war zurückliegend durch das Vorbild ihrer Mutter zum Glauben gekommen und hatte ihr Christsein auch in der Polizei gelebt. Der Friede kam Stück für Stück in Theas Herz und die Gewissheit aufs Wiedersehen in der Ewigkeit wurde stärker. Thea Rettner verdeutlichte in ihrem Lebensbericht, wie wichtig es war, dass Menschen auf sie zukamen, Anteilnahme ausdrückten, eine Umarmung gaben, einen kleinen Gruß, einen Kuchen oder ein Mittagessen vorbeibrachten, mitweinten oder einfach beim Wäschebügeln halfen. Was nicht gut tat waren theoretische (auch fromme) Ratschläge, die teilweise wie "Schläge" empfunden wurden.

Mit dem Verlust werden sie als Familie leben müssen, aber sie haben den Entschluss gefasst, vorwärts und nach oben zu schauen und das Leben anzupacken. Es war nicht einfach, aber nach 1 ¾ Jahren sind lachen, Ausflüge und Unternehmungen wieder fester Bestandteile in ihrem Leben. Thea engagiert sich als Notfallseelsorgerin. Sie will besonders für die Menschen da sein, die außergewöhnliche Verluste erleben mussten und ihnen von dem Trost und Halt weitergeben, die sie selbst erfahren hat.

Diese Veranstaltung in der Bereitschaftspolizei Würzburg war von einem tragischen Ereignis überschattet. Drei Wochen zuvor hatte ein Auszubildender versehentlich seinen Kollegen und Freund im Dienst erschossen. Die persönlichen Gespräche nach der Veranstaltung mit den Stabsmitarbeitern und den Auszubildenden gingen in die Tiefe und berührten Grundfragen des Lebens.

Es war ein Abend, der nicht vergessen wird, ein Abend, der aber auch herausforderte, Anteil am Leid der Menschen im Umfeld zu nehmen.