Ketten zerbrechen

Am 22. November 2017 fand im Ökumenischen Forum Hafencity in Hamburg der lang angekündigte und gut besuchte Impulsabend der CPV–Landesgruppe Hamburg statt. Der Geschäftsführer des deutschen Zweiges der Menschenrechtsorganisation International Justice Mission -IJM-, Dietmar Roller, gab uns an diesem Abend einen Einblick in die wichtige Arbeit dieses Vereins. Wie sich zu Beginn des Abends im Interview mit Torsten Bödeker, dem Leiter der Landesgruppe, herausstellte, ist Dietmar Roller Theologe und Sozialanthropologe, der schon in 120 Ländern beruflich unterwegs war. Ihm ist nicht nur unsere Zukunft im Himmel, sondern auch das Leben auf der Erde wichtig, was er im Verlauf des Abends wiederholt bekräftigte.

IJM setzt sich weltweit für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen ein, insbesondere für Betroffene von Sklaverei und Menschenhandel. Der deutsche Zweig wirkt in zehn Partnerländern in Asien, Afrika und Lateinamerika mit. Die Schwerpunkte Sklaverei und Menschenhandel bedingen einander und haben doch ganz unterschiedliche Ausprägungen.

Holger Clas, Torsten Bödeker und Dietmar Roller
Der Leitende Polizeidirektor Torsten Bödeker überreicht dem Referenten Dietmar Roller ein Dankeschön

Gerade arme Menschen sind häufig von derartiger Gewalt betroffen. Sie haben dabei oft keinen Zugang zum Rechtssystem ihres Landes, sind isoliert und haben Angst. Dem Global Slavery Index zufolge leben aktuell etwa 45 Millionen Menschen in Sklaverei. Laut Dietmar Roller beschäftigt jeder Deutsche indirekt 60 Sklaven, die z.B. die Rohstoffe für Smartphones abbauen oder unter unbeschreiblichen Bedingungen Kleidung fertigen. Der aktuelle Durchschnittspreis eines Sklaven liegt bei ca. 90 US-Dollar und der jährliche Profit infolge Sklaverei wird auf 150 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Es ist auch erschütternd, dass sich die Anzahl der Kinder, die in der Sexindustrie missbraucht werden, auf etwa zwei Millionen geschätzt wird (UNICEF). Dietmar Roller ging auf Nachfrage zur Lage im Bereich Menschenhandel in Deutschland von einem nicht zu unterschätzenden Dunkelfeld aus, auch wenn die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) seit Jahren nur wenige Hundert Fälle ausweist.

IJM verfolgt das Ziel, die örtlichen Rechtssysteme zu verbessern, damit arme Menschen vor Gewalt geschützt sind. Eine enge Zusammenarbeit mit den Regierungen und Behörden der Partnerländer ist dabei ein wesentlicher Aspekt. Ein erster Schritt ist stets die Befreiung der Opfer aus Sklaverei und anderen Formen gewaltsamer Unterdrückung. Mitarbeiter von IJM werden -teilweise verdeckt- als „Ermittler“ vor Ort z.B. in Steinbrüchen, Textilindustrie oder Rotlichtmilieu gemeinsam mit den Polizeibehörden tätig.

Bettina Martin und Volker Winkler sorgten für den musikalische Rahmen
Bettina Martin und Volker Winkler sorgten für den musikalische Rahmen

Es folgt die Überführung der Täter, die mit Hilfe der IJM-Anwälte strafrechtlich verfolgt werden. Sie vertreten die Opfer vor Gericht, bis Recht gesprochen wird. Ein Nachsorgeprogramm, in dem aktuell mehr als 4.000 Betroffene betreut werden, schließt sich an. Sozialarbeiter und Psychologen kümmern sich gemeinsam mit den Projektpartnern darum, dass die Menschen eine neue Perspektive für ihr Leben erhalten und lernen, ihre Rechte wahrzunehmen. Durch die Zusammenarbeit und auch Schulung von Polizei, Staatsanwaltschaft und Richtern stärkt IJM die Rechtssysteme vor Ort, so dass Menschenrechte tatsächlich durchgesetzt werden. Weltweit wurden schon 46.000 Beamte von IJM geschult.

Der Vortrag beinhaltete einige Filmsequenzen aus afrikanischen und asiatischen Ländern, die einen nachhaltigen Eindruck von massiver Gewalt und Unterdrückung vermittelten, aus denen Menschen befreit wurden. Ein Bericht dokumentierte z.B. die Befreiung von über 500 Sklaven aus einem Steinbruch. Die Festnahme und Verurteilung der Täter bewirkten einen „Schock“ in der dortigen indischen Provinz. Ein anderer Film gab die Aussage eines kleinen Jungen wieder: „Wenn ich nur hart genug arbeite, kann ich später meine Schwester beschützen. “ Beide wurden durch Mitarbeiter von IJM auf den Philippinen befreit und einer Nachsorgeeinrichtung übergeben.

Dietmar Roller fasste seine Motivation für den Einsatz für die Versklavten zusammen: Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes, gleich welcher Herkunft, Religion usw. er ist. Jeder Mensch hat ein von Gott gegebenes Potential, das er in dieser Welt entfalten soll. Sklaverei bewirkt das Gegenteil – Menschen werden hier ausgebeutet.

Der Abend hat niemand unberührt gelassen. Wunderbar, wenn Menschen sich berufen lassen und mithelfen, dass Ketten zerbrochen werden.

Hermann Martin, Landesgruppe Hamburg

CPV-Logo

Logo jweiland