Frau Davids, empfehlen Sie eine Ausbildung bei der Polizei?

Janka Davids

INTERVIEW Janka Davids – Mitglied der Christlichen Polizeivereinigung (CPV) – ist Berufspraktische Ausbilderin in Hamburg. Im Interview mit Daniela Städter berichtet sie über die Herausforderungen im Job, und was Bewerber für eine Ausbildung bei der Polizei mitbringen sollten.

idea: Warum sind Sie Polizistin geworden?
Davids: Nach dem Abitur habe ich mir einen abwechslungsreichen Beruf gewünscht. Ich wollte viel Kontakt mit Menschen und hatte schon immer einen großen Gerechtigkeitssinn. Statt mich nicht nur über Ungerechtigkeit zu ärgern, wollte ich selbst etwas tun.

Und was treibt die Auszubildenden heute an?
Die jungen Leute sagen mir, dass sie sich für andere Menschen einsetzen und helfen wollen. Sie haben vor allem die Opfer im Blick. Anderen ist die berufliche Sicherheit am wichtigsten. Und auf manche übt die Uniform eine große Anziehungskraft aus.

Welche Qualifikationen sollten Bewerber auf jeden Fall mitbringen?
Sie sollten sich schriftlich und mündlich sicher ausdrücken können. Auf Englisch sollte zumindest eine grobe Verständigung möglich sein. Bewerber sollten sich für politische und gesellschaftliche Entwicklungen interessieren, verfassungstreu, selbstkritisch, charakterfest, sportlich und vor allem belastbar sein. Die Belastungsfähigkeit geht leider immer mehr zurück ­– auch, weil Eltern meinen, sie müssten ihre Kinder in Watte packen.

Ihr Eindruck: Was fällt den Auszubildenden heute schwer?
Jungen Menschen fällt es heute zunehmend schwer, schwierige Sachverhalte in Worte zu fassen und adressatengerecht zu erläutern. Das ist leider ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das auch vor unseren Auszubildenden nicht Halt macht. Als Polizist muss man aber auf der Straße kommunizieren können. Ich kann deswegen Schülern nur raten: Tummelt Euch nicht nur auf Facebook, sondern lest auch regelmäßig die Tageszeitung und redet mehr miteinander. Hinzukommt, dass auch die sportliche Ausbildung an den Schulen nicht mehr ganzheitlich ist. Viele haben koordinative Schwächen.

Häufig ist zu lesen, dass die seelische Belastung stark zugenommen hat. Polizisten würden heute häufiger beleidigt sowie tätlich angegriffen als früher, Polizistinnen sähen sich immer öfter mit sexistischen Beleidigungen konfrontiert und es gebe zu wenige Ordnungshüter.
Das hat es doch auch schon alles vor 20 Jahren gegeben, aber heute wird der Umgang mit Belastungssituationen professioneller geregelt als früher. Natürlich lernen wir die Schattenseiten der Gesellschaft kennen. Damit muss man als Polizist umgehen können. Das üben wir auch in der Ausbildung immer wieder. Die Personaldecke ist dünn, ja. Aber da müssen wir zusammenstehen. Ich gehöre nicht zu den Meckerern. Wir haben schließlich einmal geschworen, dass wir immer alles geben wollen. Und es gibt viele Kollegen, die – wie ich auch – trotz der Belastung ihren Job sehr gerne machen. Mir persönlich hilft auch mein christlicher Glaube. Ich bete regelmäßig, insbesondere vor belastenden Situationen im Dienst. Es gibt sicherlich Gegenden in Deutschland, in denen die Situation deutlich schwieriger geworden ist. Für Hamburg kann ich das aber nicht bestätigen.

Das heißt, Sie können eine Ausbildung bei der Polizei empfehlen?
Auf jeden Fall! Wer die zuvor genannten Eigenschaften mitbringt, ist bei uns genau richtig und kann sich auf eine zwar anstrengende, aber in jedem Fall abwechslungsreiche und sinnstiftende Arbeit freuen, die einen mit Zufriedenheit erfüllt. Wer die Voraussetzungen aber nicht erfüllt, sollte von einer Bewerbung absehen.

Infobox
Janka Davids ist seit 2016 Berufspraktische Ausbilderin und betreut an der Akademie der Polizei Hamburg (www.akademie-der-polizei.hamburg.de) 30 Polizeimeisteranwärter. Die 45-Jährige ist seit 26 Jahren Polizistin. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern gehört zur Freien evangelischen Gemeinde Hamburg-Bergedorf. An der Christlichen Polizeivereinigung schätzt sie vor allem den Austausch mit anderen Christen und die Gebetstreffen.

© IDEA Spezial Aus- und Weiterbildung 2017

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