"Dienst in der Hölle" erfordert Gebet

Lothar und Ruth Kudling

Jahr für Jahr reist Ruth Kudling aus Hamburg in den Westerwald, um die Gemeinschaft und den Austausch innerhalb der Christlichen Polizeivereinigung zu suchen. Früher kam sie immer mit ihrem Mann Lothar, der Jahrzehnte an der Davidwache seinen Dienst versehen hat. Aber auch nachdem Lothar 2012 verstarb, fühlt sich Ruth der CPV weiterhin eng verbunden. Wir haben sie befragt.

CPV: Liebe Ruth, in Rehe warst du in diesem Jahr eine der ältesten Teilnehmerinnen. Wie oft warst du schon bei einem Bundestreffen bzw. Impulswochenende der CPV?

Ruth Kudling: Eigentlich war ich immer dabei, schon in den 80er Jahren in Wölmersen. Außerdem waren wir auch bei der CPV–Freizeit in Natz.

CPV: Du selbst warst viele Jahre Krankenschwester und hattest manchen Einblick in die Polizei. Aber selbst hast du nie in der Polizei gearbeitet. Was gefällt dir persönlich an der CPV?

Ruth Kudling: Mir sind die Polizisten ein großes Anliegen, ein Gebetsanliegen. Dass sie gestärkt werden für ihren Dienst, Weisheit vom Herrn bekommen und Bewahrung erleben.

CPV: Dein lieber Lothar hat viele Jahre auf der berühmten Hamburger Davidwache gearbeitet. Er selbst bezeichnete sich immer als "Schutzmann alter Art". Was meinte er damit?

Ruth Kudling: Lothar hat sich immer als "Freund und Helfer" verstanden. Und dann hat er augenzwinkernd hinzugefügt, dazu gehöre auch: „Mein Freundchen, ich helfe dir gleich!”

CPV: St. Pauli gehörte damals nicht gerade zu den frömmsten Gegenden Deutschlands. War der Dienst an der Davidwache nicht gerade für einen Christen besonders belastend?

Ruth Kudling: Ja und nein. Wenn Lothar beispielsweise vom Spätdienst kam, musste er erstmal durchatmen und innerlich ankommen. Ich hab noch im Ohr, wie er dann oft sagte: „Das war wieder die Hölle heute!” Die Erlebnisse im Dienst konnte er nicht einfach beiseitelegen; er musste sie schon verarbeiten. Auf der anderen Seite taten ihm die Leute so leid, die dort auf St. Pauli ihr Vergnügen suchten. Was fanden sie denn außer einer großen Leere? Ich denke, Lothar wollte den Menschen helfen, wo er nur konnte. Nur dadurch hat er es 36 Jahre auf der Davidwache ausgehalten.

CPV: Wer dich kennt, weiß, dass du eine Beterin bist. Haben dich die Einsätze deines Mannes das Beten gelehrt?

Ruth Kudling: Wenn er zur Arbeit musste, hat es mich schon ins Gebet getrieben. Aber dann bin ich auch immer ganz ruhig und zuversichtlich gewesen.

CPV: Lothar war 1984 einer der Gründungsväter der CPV, zumindest der Hamburger Gruppe. Damals war er bereits 56 Jahre alt und im Innendienst tätig. Hättet ihr euch die CPV gerne früher gewünscht?

Ruth Kudling: Ja, Lothar hat oft gesagt – und ich sehe das genauso –, eine CPV hätten wir viel früher gebraucht. Als er noch auf der Straße gearbeitet hat, gerade auch als junger Schutzmann hätte er den Austausch und die Gebete gut brauchen können.

CPV: Als Ehefrau hast du dich mit deinem Mann mitgefreut, als die CPV gegründet wurde. Hast du ganz persönlich auch von der CPV profitiert?

Ruth Kudling: Ja, ich habe sogar sehr profitiert. In den ersten Jahren haben wir uns in Hamburg immer in den Häusern getroffen, also wie in einem Hauskreis. Dadurch habe ich viele tolle Menschen kennen gelernt und die Gespräche, das gemeinsame Singen und Beten sehr genossen.

CPV: Ihr hattet immer ein Herz für die jungen Kolleginnen und Kollegen der CPV. Welchen Rat würde Lothar ihnen heute mit auf den Weg geben?

Ruth Kudling: Oh, das ist keine leichte Frage. Es gibt ja keine Formel, die auf jede Situation gleichermaßen passt. Lothar hat sich jedem immer sehr persönlich zugewandt. Aber einen Satz aus dem Alten Testament (Nehemia 8, 10) hat er immer gerne zitiert, um damit zu ermutigen: „Seid nicht bekümmert, die Freude am HERRN ist eure Stärke!”

CPV: Vielen Dank für das Interview.