Was wird denn nun aus Deutschland?

Torsten Bödeker

Wie beurteilen Sie die Lage in Deutschland? Machen Sie sich Sorgen über gesellschaftliche und politische Entwicklungen? Über die Nachwirkungen der Flüchtlingskrise und unkontrollierten Zuwanderung? Über einen zunehmenden Rechtsextremismus, antisemitische Strömungen und die terroristische Bedrohungslage? Über internationale Konflikte und wirtschaftliche Tendenzen, die in der globalen Welt auch uns schnell erreichen können?

Als Polizeibeamter bin ich gewohnt, die Lage zu beurteilen. Mögliche Gefahren müssen eingeschätzt und bewertet werden. Um ausreichend gewappnet zu sein, muss der schlimmste denkbare Schaden in den Blick genommen werden. Unaufgeregt und professionell. Aber nicht nur einmal habe ich mich auch schon in privaten Lebensbereichen von Worst-Case-Szenarien beeindrucken lassen. Dann lag ich nachts wach und kämpfte verzweifelt mit einer irrationalen Sorgenlast. Luther hätte seinerzeit deutliche Worte dafür gefunden, so wie in einem Brief an Melanchthon: „Deinen jämmerlichen Sorgen, von denen du, wie du schreibst, verzehrt wirst, bin ich von Herzen feind. Dass sie in deinem Herzen so herrschen, kommt … von der Größe unseres Unglaubens.“

Besser gefällt es mir, wie Corrie ten Boom es einmal ausgedrückt hat: „Sich sorgen nimmt dem Morgen nichts von seinem Leid, aber es raubt dem Heute die Kraft.“ Corrie ten Boom hatte zahlreiche Juden vor dem Holocaust gerettet und auch im Konzentrationslager Ravensbrück ihren Glauben an Jesus Christus bewahrt. Ihre ins KZ hineingeschmuggelte Bibel war ihr eine tägliche Ermutigung. Sie wusste um die Macht der KZ-Aufseher, aber um die viel größere Macht des mitfühlenden Gottes. Sie wollte die Last von morgen nicht mit der Kraft von heute tragen. Beeindruckend berichtete sie nach ihrer späteren Befreiung davon, wie sie immer wieder die ganze eigene Not und das Elend der Menschen um sie herum, „einen ganzen Koffer voller Sorgen“, in Gebeten zu Gott gebracht hat. Ihre Erfahrung war, dass Gott sich viel besser darum kümmerte, als sie selbst es gekonnt hätte.

Jesus ermutigt uns dazu, uns nicht zu sorgen (Matthäus 6, 25 - 34). Für Petrus ist es Hochmut, wenn man mit seinen Sorgen alleine klarzukommen versucht (1.Petrus 5, 6-7). Und Paulus fordert dazu auf, alle Anliegen mit Gebet und Flehen vor Gott kundwerden zu lassen, damit uns auch in großer Bedrängnis Gottes Friede auf unerklärliche Weise erfüllen kann (Philipper 4, 6 und 7). Ich bin davon überzeugt: Gott hält Sie und mich in seiner Hand. Und die Fäden der Geschichte hält er ebenfalls in seiner Hand.

In einem Interview wurde ein lebenserfahrener Pastor gefragt, welchen Rat er sich geben würde, wenn er in der Zeit zurückreisen und vor sich selbst als jungem Mann stehen könnte. In dem rückblickenden Wissen, dass alle seine Sorgen nur zusätzliche Last waren und dass Gott immer bei ihm war, lautete seine Antwort: „Meine Worte an den jungen Mann wären: Fürchte dich nicht!“

Torsten Bödeker
Leitender Polizeidirektor
Landesgruppenleiter Hamburg

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